Die häufigsten Fragen zur deutschen Schrift und zur Vereinigung
1.
Was reizt Ihre Mitglieder an der alten Schrift?

Das ist recht verschieden. Oft ist es vor allem die bessere Schreibgeläufigkeit und der künstlerische Aufbau bzw. die größere Möglichkeit, die Schrift künstlerisch aufzuwerten.
Des weiteren gehört sie zu unserer Geschichte, und man freut sich, wenn man im Museum die handschriftlichen Originale lesen kann. Einen kleinen Bonus als Geheimschrift hatte sie für jüngere Leute auch - keiner kann das Tagebuch und die Briefe lesen.
2.
Was ist die Schwierigkeit / die Herausforderung am Erlernen dieser Schrift?

Diese Schrift wirft beim Erlernen weniger Probleme und Schwierigkeiten auf, als andere neu zu erlernende Schriften. Sie ist der lateinischen urverwandt und damit einfacher zu erlernen als z.B. die Kyrillische oder die Griechische Schrift. Mit nur wenigen Minuten Übung täglich kann man in wenigen Wochen fließend schreiben.
3.
Warum wollen Menschen eine Schrift am Leben erhalten, die kaum noch einer lesen bzw. schreiben kann?

In der Frage steckt schon die Antwort. Eben weil sie kaum noch jemand lesen oder geschweige denn schreiben kann. Die Ahnenforschung ist wieder modern, es ist teuer sich alles übersetzen zu lassen, was an Dokumenten noch von unseren Altvorderen übrig ist. Kann man es selbst lesen geht man sicher, daß es richtig übersetzt ist und spart eine Menge Geld.
Vor allem aber ist die Schrift eines Volkes Kulturgut ersten Ranges. Araber, Russen, Israeli, Griechen, Japaner, Chinesen und zahlreiche andere bedeutende Völker denken mit Recht gar nicht daran, ihre eigenen angestammten Schriften aufzugeben - nd wir Deutschen?
4.
Besonders junge Menschen schreiben immer weniger. Was macht den Reiz aus, sich Briefe in einer "sonderbaren" Schrift zu schreiben?

Das muß man trennen. Den Reiz sich Briefe zu schreiben, macht vieles aus. Es ist persönlicher als SMS oder E-Mail. Man kann persönliche Kontakte mit Menschen aus aller Welt knüpfen, ja es können sich Freundschaften bilden. Man erfährt mehr über Land und Leute. Eine E-Mail ist schnell gelöscht, einen aufwendig gearbeiteten Brief wirft man nicht so schnell weg.
Aber warum muß es ausgerechnet diese Schrift sein? Nun das ist zum Teil schon in Frage 3 beantwortet. Hinzu kommt die Freude am Gestalten und etwas zu tun, was nicht alltäglich ist.
5.
Gibt es Lehrbücher, in denen es eine "Anleitung" zum Schreiben der Kurrentenschrift gibt? Wie lernen neue Mitglieder die Schrift zu lesen und zu schreiben?

Viele Mitglieder beherrschen die Schrift schon vorher. Sollte man es lernen müssen, ist man bei uns an der richtigen Adresse. Alles lernt sich da am besten, wo es praktiziert wird. Eine Sprache im entsprechenden Land, die deutsche Schrift bei den Freunden der deutschen Kurrentschrift. Der Bund für deutsche Schrift und Sprache, unser befreundeter Verein, bietet einen sehr guten Selbstlernkurs von Helmut Delbanco an, Bestellungen leiten wir gern weiter.
6.
Wie kommen die Brieffreundschaften zustande? Verläuft das nach dem Zufallsprinzip oder kann sich jedes Mitglied seine Freunde nach bestimmten Kategorien aussuchen?

Jedes neue Mitglied erhält Adreßlisten. Dazu sind Kontaktbriefe im Umlauf, in denen Steckbriefe stehen. Mancher gratuliert nach seinem Eintritt einfach einigen zum Geburtstag und wartet auf Antwort. Da können langjährige Brieffreunde draus werden, einiges schläft dann auch wieder ein.
7.
Wie sieht die Zukunft der Kurrentschrift im Zeitalter des Computers aus? Machen Sie sich keine Sorgen, daß der Computer die Handschrift ersetzen könnte?

Wenn der Rechner die Handschrift ersetzt, dann die sog. Lateinische. Die deutsche Schrift ist ohnehin schon aus dem Alltag verdrängt. Wer sie schreibt, schreibt gern, und läßt sie nicht vom Computer verdrängen. Bei dieser Schrift ist das Wegsterben der Großelterngeneration gefährlicher als der Computer. Die Zukunft der Kurrentschrift ist leider aufs Museum, Vereine wie den unseren (und den Bund für deutsche Schrift und Sprache) und die Kalligraphie beschränkt. Wir wollen das nicht wahrhaben, aber das ist schon die optimistische Variante. Außerdem gibt es auch Kurrentschriften für Rechner, wie Sie an diesem Schriftstück sehen können.
8.
Andere Sprachen (griechisch, kyrillisch) haben auch eine Kurrentenschrift. Was ist das Besondere an der "deutschen Kurrentenschrift"?

Andere Sprachen haben an sich auch eine, ja, denn kurrent kommt von lat. Curere laufen, fließen. Damit ist jede Schreibschrift (auch die Ihre) eine Kurrentschrift. Als Begriff hat es sich aber nur für die deutsche durchgesetzt und damit ist die Annahme andere Völker hätten eine wiederum falsch.
Das Besondere an der deutschen Kurrentschrift ist für uns Deutsche, daß sie die Schrift unserer Ahnen ist. Die leichtere Erlernbarkeit ist oben schon erläutert.
9.
Warum wurde 1941 diese Art von Schrift verboten?

Direkt verboten wurde sie nicht. Im geheimen Schrifterlaß wurde das Wort Verbot nicht gebraucht. Auch ging es 1941 vornehmlich um die deutsche Druckschrift. Als Folge verschwand auch die deutsche Schreibschrift. Dazu gibt es auch Erlasse, die aber noch nicht vollständig zur Verfügung stehen, geschweige denn aufgearbeitet sind.

Dazu ein kleiner Text vom Bund für deutsche Schrift und Sprache zu dem Thema:

Das Verbot und dessen Nachwirkungen

"Warum hat man denn bei so vielen Vorzügen die Fraktur aufgegeben? Man sieht sie doch (fast) gar nicht mehr!" Verschiedene Einflüsse trugen zu dieser Entwicklung bei. Der wohl bedeutendste und wahrscheinlich entscheidende Auslöser für diesen Kulturverfall war eine Anordnung des Reichsleiters der NSDAP, Martin Bormann, am 3.1.1941 im Auftrage Adolf Hitlers. Darin wird die "sogenannte gotische Schrift" als "Schwabacher Judenlettern" bezeichnet; deshalb durfte von da an nur noch die (lateinische) Antiqua verwendet werden, die nun "Normal-Schrift" hieß.

Wir wissen heute, daß Adolf Hitler selbst dahinterstand, der schon auf dem Reichsparteitag von 1934 durch seine Ausfälle gegen die "gotische Schrift" seine Unkenntnis über Schrift und Schriftgeschichte und seine Gegnerschaft zur deutschen Schrift an den Tag gelegt hatte. Allein die Vermengung der Begriffe "gotisch", "Schwabacher" und "Judenlettern" belegt, daß er schlecht unterrichtet war.

Aufgrund der Zwecklüge von den "Judenlettern", die das Verbot erst durchsetzbar machte, verschwand die deutsche Schrift als Schreibschrift und im Frakturdruck aus Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Lehrplänen und Fibeln. Leider wurden diese gebrochenen Schriften nach 1945 bis heute weder in Deutschland noch in Österreich in die Wiedergutmachung all dessen einbezogen, was im Nationalsozialismus beleidigt, mißbraucht, geächtet und verboten worden war. Zwar gilt das Verbot der Verwendung von Frakturschriften nicht mehr, doch ist in Deutschland kein Kultusminister bereit, der deutschen Schrift den zum Überleben erforderlichen Platz in der Schule einzuräumen, während Araber, Chinesen, Griechen, Israeli, Russen und viele andere Völker aus guten Gründen an ihrem überlieferten Kulturgut festhalten.

Die Kunstwerke der gebrochenen Schriften sind heute weitgehend vergessen. Selbst der Schriftsetzer erfährt in seiner Ausbildung kaum etwas über diese Schätze. Die Bleilettern und die Gußformen der Schriftgießereien sind seit der Einführung des Satzes durch elektronische Rechner fast restlos vernichtet."

Text von Helmut Delbanco (1990), überarbeitet von Christian Spremberg (1993)
10.
Werden Absender und Adresse auf dem Briefumschlag auch in Kurrentenschrift geschrieben? Wenn ja, gibt es da manchmal nicht Probleme bei der Zustellung?!

In Deutschland herrschte von je her eine Zweischriftigkeit. Namen, Orte und ganze Adressen, sowie Fremdwörter wurden auch früher teilweise schon in Lateinschrift geschrieben. Die Unterschrift konnte Latein oder Deutsch geschrieben sein.

Schreibt man heute die Adresse in deutscher Schreibschrift, ist es Glückssache, ob der Brief ankommt. Verwendet man hingegen die deutsche Druckschrift gibt es keine Probleme.